Der Stuttgarter Poetry Slam
2000 kam der Slam nach Stuttgart. Mit Beginn des regelmäßigen
(an jedem ersten Sonntag eines Monats) Stuttgarter Poetry-Slam,
gehostet von Timo Brunke, in der Rosenau im März und dem German
Grand Master Slam im April 2000 beginnt die Stuttgarter Poetry-Slam
Story.
Der Reiz des Spontanen und die eigenwillige Ästhetik der
Rezitation an den Grenzen der Gattungen machen diese besondere Variante
der Dichterlesung aus, bei der jeder auf die Bühne steigen
kann, der sich traut.
Beim Poetry Slam geht es darum, im Wettstreit Selbstgeschriebenes
vorzutragen, wobei das Publikum lautstark über die besten Gedichte
und Kurzgeschichten, aber auch über die beste Performance entscheidet.
Erfunden wurde der Poetry-Slam 1986 von Marc Smith im legendären
„Green Mill Club“ in Chicago. Der Poetry-Slam breitete
sich schnell über Amerika und Kanada aus, wobei der einmal
jährlich stattfindende „National Slam“ das größte
Spektakel in der Performance-Poetry-Welt wurde. Mitte der 90er Jahre
griff das Slam-Fieber auch auf Europa über und Deutschland
wurde zur Hochburg. Mittlerweile werden in über 60 deutschen
Städten regelmäßig Slams ausgetragen. Die deutschsprachige
Slamszene hat eigene, vielfältige und bunte Formen entwickelt
und bereits in kürzester Zeit einige Stars hervorgebracht,
die szeneübergreifend anerkannt sind.
Ein Poetry-Slam ist definitiv nicht mit der oftmals getragenen
Stimmung klassischer Dichterlesungen vergleichbar. Es wird wild
gestikuliert, geflüstert, geschrieen, gesungen, und auch textlich
fühlen sich die meisten Vortragenden nicht immer vollständig
den Regeln der political correctness verpflichtet.
Auch die Antrittsregeln des Poetry-Slams zeigen sich eher unkonventionell:
Bis zum definitiven Beginn der Veranstaltung kann man sich als Teilnehmer
eintragen. Für seinen Vortrag hat dann jeder Kombattant genau
so lange Zeit, bis die Kuhglocke bimmelt oder die Jingle-Band zu
spielen beginnt - also sieben Minuten. Die Vorrundensieger treten
dann zur öffentlichen Endschlacht an, wobei die Wahl zum "Slam
Champ" des Abends auf basis-demokratische Weise durch eine
Applausabstimmung der Zuschauer geschieht.
Inzwischen hat sich der Stuttgarter Poetry Slam in der Stadt und
im ganzen Umland etabliert: Durchschnittlich 250 Besucher zählt
der Poetry Slam in der Rosenau. Hinzu kommen Veranstaltungen wie
der Tearoom-Slam, der Short Story Slam in Ludwigsburg und viele
Lesungen von Autoren, die in der Slam-Szene beheimatet sind und,
wie im Fall des National Slam Champion von 2000, Jan Off, im Stuttgarter
Lautsprecherverlag eine Heimat gefunden. Regelmäßige
Workshops im Literaturhaus Stuttgart zum Thema Slam Poetry, Rap,
Wort und Spiel, geleitet von Dozenten wie Timo Brunke und Tobias
Borke, runden das Bild einer funktionierenden Szene ab.
Der Publikumserfolg bei Poetry Slams übertrifft das Maß
klassischer Lesungen um ein Vielfaches. Angesichts der grossen Dimensionen,
die der German International Poetry Slam inzwischen annimmt, hat
sich das Theaterhaus gern bereit erklärt, seine für dieses
Festival bestens geeigneten Räumlichkeiten und sein Know-how
zur Verfügung zu stellen.
Das Theaterhaus, das wir als Partner gewinnen konnten, bietet diesem
Festival optimale Bedingungen, vom Foyer-Schauplatz für spontane
Lese-Aktionen über kleine und mittlere Bühnen für
die Vorrunden und seine Sporthalle, die die Slammer für ihr
traditionelles Fußballturnier nutzen können, bis hin
zu den großen abschließenden Finales des Team- und Einzelwettbewerbs
in Halle 1.
Timo
Brunke im Interview
Timo Brunke
Organisator des SLAM2004 in Stuttgart
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